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Die Sankt Sebastianus-Bruderschaft in Kaarst
Die ursprüngliche Sebastiani-Bruderschaft in Kaarst wurde wahrscheinlich in der ersten Hälfte des 15. Jh. gegründet. Es gibt mehrere Hinweise, dass die Bruderschaft sehr wohl- habend war. Sie besaß nicht nur einen eigenen Altar in der Pfarrkirche, in der die Bruderschaftsmitglieder die Messe feierten, sondern unterhielten sogar einen eigenen Pfarrer, den Vikar, der zusammen mit dem Pastor als Präses das christliche Leben der Bruderschaft überwachte. Die Bruderschaft, vertreten durch die zwei ältesten Mitglieder, hatte das Recht, den Vikarius vorzuschlagen. Wenn der Pastor keinen Grund zur Ablehnung hatte, wurde der Auserwählte vom Bischof in Rom ernannt.
Erhalten ist noch die notarielle Urkunde einer großzügigen Schenkung der Pfarran-gehörigen an die Bruderschaft, um den Lebensunterhalt dieses Vikars zu sichern. Am 20. Januar 1452, um 9.00 Uhr versammelten sie sich - unter ihnen der Herr von Lauvenburg - im Chor der Kirche. Unter der Leitung des Pfarrers Mommeton aus Xanten schenkten sie dem Geistlichen der Bruderschaft insgesamt 39,5 Morgen Land (98750 qm) und mehrere Renten.
Bis Mitte das 16. Jh. entwickelte sich Kaarst zu einem Dorf mit etwa 60 Bauernhöfen und Kotten, einigen Herrenhöfen und ca.1400 Morgen Ackerland. Alles weitere war Wald, Heide und Bruchland. Über die heutige Lange Hecke führte der bedeutendste Handelsweg von Köln über Neuss, Kempen und Kleve nach Holland. Die Fuhrleute kehrten nachts im Maubishof ein, denn es war zu gefährlich, bei Dunkelheit weiter durch Kaarst nach Schiefbahn zu fahren. Die Kaarster Schützen sollen häufig Polizeidienste geleistet haben.
Kaarst wurde von allen kriegerischen Auseinandersetzungen am Niederrhein heimgesucht. Im Truchsessischen Krieg, als der evangelisch gewordene Erzbischof von Köln nach seiner Vertreibung versuchte, sein Kurfürstentum zurück zu gewinnen, verarmte Kaarst so sehr, dass der Pfarrer eine Sammlung durchführen musste, um sich neue Stiefel und Kleidungs-stücke kaufen zu können.1582 wurden die Pfarrkirchen in Kaarst und Büttgen zerstört, aber die Kirchenschätze und das Schützensilber hatte man schon Anfang 1582 vorsorglich nach Neuss gebracht.
Kaarst litt ebenfalls unter dem Jülich-Clevischen Erbfolgestreit, aber vor allem im 30jährigen Krieg, als die Hessen den Niederrhein eroberten. Als die Hessen in Kaarst einmarschierten, sollen sie den Pfarrer in der Kirche ermordet haben. Der Bruderschaftsaltar fiel den plündernden Hessen zum Opfer, aber das Schützensilber war wieder einmal gerettet worden. Man brachte es vorher nach Düsseldorf in Sicherheit. Im Juni 1652 wurde ein neuer Altar, der Sebastianus-Katharinen Altar, vom Kölner Weihbischof konsekriert, und die Bruderschaft wieder ins Leben gerufen. Die Schöffen, Kirch- und Armenmeister, der Küster, die Bauern und die Handwerksmeister wurden Mitglied unter der Leitung des Präses Jacobus Velder.
1770 wurde das alte, heute nicht mehr vorhandene, Bruderschaftsbuch neu angelegt.. Es enthielt ausser der alten Satzung auch die Namen von 99 Mitgliedern. Ende des 18. Jh. scheint es unter der französischen Verwaltung nach der Niederlage im 7jähgrigen Krieg manche Ärgernisse für die Kaarster Schützen gegeben zu haben. Die bruderschaftseigenen Pferde sollten 1801 für ein Jahr requiriert werden, obwohl das Verbot der Schützen-bruderschaften und die Enteignung schon aufgehoben waren.
1843 wurde die Bruderschaft aus nicht überlieferten Gründen aufgelöst und an deren Stelle ein nicht kirchlich orientierter Verein, die Sankt Sebastianus- Schützenbruderschaft, gegründet. Die Schützengesellschaft gestaltete Vogelschuss und Schützenfest in der traditionellen Form weiter.
Bis 1939 fanden diese Schützenfeste unter der Regie der Schützengesellschaft statt. Auch während der zweiten Besatzungsperiode durch Frankreich nach dem ersten Weltkrieg, konnten Vogelschuss und fest stattfinden. In den Umzügen waren allerdings weder das Tragen der Nazionalfarben noch das Tragen von Gewehren erlaubt. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Sebastianus-Bruderschaft wieder gegründet. Sie vereinte durch eine 1969 neu verfasste, Ökumenisch geprägte Satzung zahlreiche Züge und Gesellschaften unter der Devise: "Glaube, Sitte, Heimat"!
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